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Farbrest Fingerabdruck

aus taz, 15.11.2001

 

 

Mittel zum Zweck, Mensch und Medium: Die Ausstellung Level#7 im Parkhaus Treptow widmet sich der Frage, wie, wo und wann die Künstler Fotografie nutzen, um zu ihren Bildern und Skulpturen oder Installationen zu kommen.

Die Wände im großen Ausstellungsraum der Galerie im Parkhaus Treptow sind weiß und kahl. Die Bilder stehen im Raum: Ein Ensemble aus sieben auf mannshohen Säulen aufgezogenen Druckbildem. Sie zeigen unscharfe Ausschnitte von Fassaden und Hausecken sowie übergroße, farbintensive Blumenmotive. Dann ein Positionswechsel: Mit jeder Bewegung wird das dreidimensionale Panorama unterbrochen, um sofort ein neues Raumbild zu komponieren.

Noch bespielt allein die Arbeit des Künstlerduos future7 den Empfangsraum der Kunstvilla, von dem aus man in die separaten Galerienischen von Petra Karadimas, Till Exit und Veronika von Otten gelangt. Rüdiger Lange, Kurator der "loop"-Räume, hat die vier Künstler ins Parkhaus geholt, weil die Arbeiten formal sein Konzept umreißen: Die Verbindung von Kunstgeschehen und sozialem Diskurs. Transparenz und Offenheit der "loop"-Räume waren schon in den Räumen der Schlegelstraße Programm. Lange führt nun die mehrteilige Ausstellungsreihe "levels" fort, in der das Parkhaus Treptow verschiedene Positionen prüft. Level#7 widmet sich der Fotografie als Mittel zum Zweck. Wie, wo und wann nutzen die Künstler Fotografie, um zu ihren Bildern, Skulpturen oder Installationen zu kommen?

Bei den Arbeiten von Petra Karadimas ist die fotografische Vorlage dem Bild fest eingeschrieben. Man muss ganz nah an das "Foto" - ein banal wirkendes Gebüsch - herantreten, damit die künstlerische Manipulation sichtbar wird: Mit akribi scher Genauigkeit malt Karadimas am PC jeden Quadratzentimeter der Vorlage nach.

So entfaltet sich eine eigentümliche Ästhetik, die die Prioritätsansprüche von Fotografie und Malerei souverän gegeneinander ausspielt. Die Malerin Veronika von Otten will die Realität nicht manipulieren, sondern demonstrieren. Aus der persönlichen Erfahrung einer Brustkrebserkrankung hat sie ein Projekt entwickelt, bei dem sie andere Patientinnen ermutigte, sich selbst mit ihren Narben zu fotografieren. Jedes der Porträts liest sich als persönlicher Kommentar zu der individuellen Wirklichkeit und der massenmedialen Inszenierung von Körperlichkeit.
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Bei Till Exit taucht Fotografie lediglich in seinen Installationen auf: als Ausschnitt eines altmodischen Schwarzweißporträts, das er auf die Oberfläche eines Leuchtkastens projiziert hat. Die transparenten, nahezu identischen Abbilder eines Zwillingspaars reflektieren die Beziehung von Mensch und Medium.

Mit level#7 versucht Rüdiger Lange, eine Struktur zu schaffen, die den Ort belebt und das Parkhaus aus seiner Peripherie hebt. Praktisch bedeutet das für den Kurator, sich so oft und so viel wie möglich mit Besuchern und Künstlerinnen auszutauschen. Dabei ist er auch als Talentscout im Einsatz: Neue Positionen sollen sofort in die Ausstellung eingefügt werden.

Sein Konzept scheint aufzugehen: Am Wochenende wurde die erste neu aufgenommene Arbeit gehängt. In der kommenden Woche soll eine weitere Folgen. Mit Maja Rohwetter hat der Kurator den Prototyp für sein Ausstellungskonzept ausfindig machen können. Die Malerin bastelt ihre Bildideen - meist architektonische Panoramen - zunächst am Computer zusammen und benutzt die von ihr variierten Fotografien als Vorlage, nach der sie ihre Malerei umsetzt. Das hinterlässt Spuren.

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